Neigung (Disposition) bezeichnet im psychologischen Kontext die positive, intrinsisch motivierte Einstellung einer Person zu einer bestimmten Tätigkeit oder Beschäftigung. Dieses psychologische Merkmal zeigt sich darin, dass die Person nicht nur Interesse an dieser Tätigkeit hat, sondern auch im Prozess ihrer Ausübung selbst Befriedigung findet und nicht nur in den Ergebnissen. Eine Neigung setzt ein dauerhaftes persönliches Bedürfnis nach Betätigung in einem bestimmten Bereich voraus.

Eine ausgeprägte Neigung ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  1. Dauerhaftigkeit: Personen mit einer ausgeprägten Neigung zu einer bestimmten Tätigkeit verspüren über einen längeren Zeitraum den Wunsch, ihr nachzugehen.

  2. Streben nach Kreativität: Diese Personen möchten die Tätigkeit nicht nur ausüben, sondern sie auch kontinuierlich verbessern, verändern und weiterentwickeln sowie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in diesem Bereich vertiefen.

  3. Selbstmotivation: Eine ausgeprägte Neigung benötigt keine äußeren Anreize, um das Interesse aufrechtzuerhalten. Die Person ist durch das innere Bedürfnis motiviert, dieser Tätigkeit nachzugehen.

  4. Übereinstimmung mit Fähigkeiten: Meistens stimmen Neigungen mit den individuellen Fähigkeiten einer Person überein, was eine erfolgreiche Entwicklung in dem jeweiligen Bereich unterstützt.

  5. Berufung: In manchen Fällen kann eine Neigung so stark sein, dass eine Person das Gefühl hat, zu einer bestimmten Tätigkeit „berufen“ zu sein. In solchen Fällen spricht man von einer Berufung.

Neigungen können sich zusammen mit den entsprechenden Fähigkeiten entwickeln und sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Begabung. Somit spielen Neigungen eine wichtige Rolle bei der Wahl und erfolgreichen Erschließung verschiedener Tätigkeitsbereiche.